Vom Lebensmittel-Start-up auf die Loipe: Wie Rico in Davos seinen sportlichen Traum verwirklicht
Rico wollte nach Enttäuschungen in seinem alten Job endlich auch im Berufsalltag ein Flow-Gefühl haben. Dank einer entscheidenden Verschnaufpause durch Ting gelang dem 44-Jährigen der komplette Quereinstieg in die Sportwelt – ein Schritt, der nicht nur seine Karriere, sondern auch sein Herz verändert hat.
Eigentlich schien Ricos beruflicher Weg vorgezeichnet. Über zehn Jahre lang arbeitete er in der Lebensmittelbranche, zuletzt für ein Start-up. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht, Versprechen wurden nicht gehalten. Ende 2024 stand er an einem Wendepunkt: Brauche ich eine Neuorientierung?
Auf der einen Seite war da die wachsende Ernüchterung im Job. Auf der anderen eine Leidenschaft, die ihn schon lange begleitete: der Wintersport.
Wenn aus Unzufriedenheit eine neue Richtung wird
Bereits als Zehnjähriger sammelte Rico im Engadin erste Erfahrungen auf Occasions-Ski. Mit 30 packte ihn das Langlauffieber endgültig. Neben seinem bisherigen Beruf begann er, erste Trainerkurse zu besuchen und sich langsam ein zweites Standbein aufzubauen.
Trotzdem war seine neue berufliche Richtung nicht von Anfang an vollständig klar. Zu wissen, dass der bisherige Weg nicht mehr passt, ist schliesslich nicht dasselbe wie zu wissen, wie der neue aussehen soll.
Rico begann deshalb genauer hinzuschauen: Was bereitete ihm wirklich Freude im Leben? Und wenn es der Langlaufsport ist, was benötigte er, damit aus seiner Begeisterung eine realistische berufliche Möglichkeit werden konnte?
Rico wusste am Anfang nur, dass er professionell im Sportbereich arbeiten will, bereit ist, sich weiterbilden und insbesondere Kinder und Jugendliche zu begleiten.
Die Zerreissprobe des Übergangsjahres
Im Januar 2025 fasste Rico einen mutigen Entschluss: Er wollte ein radikales Übergangsjahr einlegen, um möglichst viele sportliche Ausbildungen zu absolvieren – vom Langlauflehrer über den Functional Trainer bis hin zu verschiedenen Jugend+Sport-Kursen.
Dieser Plan bildete eine Brücke zwischen seinem bisherigen Beruf und der gewünschten Zukunft. Doch die Realität machte den Übergang alles andere als einfach.
Die Ausbildungen waren zeit- und kostenintensiv. Gleichzeitig konnte Rico neben den Kursen unmöglich weiterhin in einem normalen 80- oder 100-Prozent-Pensum arbeiten. Erste Tätigkeiten im Sportbereich waren nur auf Stundenlohnbasis möglich und brachten anfangs noch kein verlässliches Einkommen.
Plötzlich war die neue Richtung klar, aber der Weg dorthin finanziell kaum tragbar.
Ohne die Unterstützung von Ting hätte ich dieses Umorientierungsjahr schlichtweg nicht machen können.
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Das Community-Geld beseitigte nicht jedes Risiko. Es gab Rico auch keine Garantie dafür, dass sein beruflicher Neustart gelingen würde. Aber es verschaffte ihm genügend Sicherheit, um die Ausbildungen zu absolvieren und den neuen Weg wirklich auszuprobieren.
Manchmal braucht Veränderung nicht einen noch grösseren Sprung ins Ungewisse, sondern eine realistische Brücke – und genügend finanziellen Handlungsspielraum, um sie überqueren zu können.
Ein Zeitungsausschnitt als Wegweiser
Dass Ting einmal Teil dieser Brücke werden würde, wusste Rico lange nicht. Seine Eltern hatten die Gewohnheit, interessante Zeitungsartikel auszuschneiden und sie ihm bei Treffen mitzubringen. Vor einigen Jahren war darunter ein Bericht über Ting. Rico war sofort von der Idee einer solidarischen Gemeinschaft begeistert, wurde Mitglied und zahlte über längere Zeit seine monatlichen Beiträge ein – zunächst als reiner Geber.
Als die finanzielle Belastung während seines Übergangsjahres immer stärker wurde, erinnerte er sich an Ting. Ein Gesuch einzureichen, kostete ihn trotzdem Überwindung. Unterstützung von Menschen anzunehmen, die man persönlich nicht kennt, war auch für ihn ungewohnt.
Die Unterlagen und klaren Abläufe halfen Rico dabei, besser zu verstehen, wie Community-Geld funktioniert und welche Verantwortung damit verbunden ist. Aus der anfänglichen Unsicherheit wurde schliesslich eine bewusste Entscheidung:
Ich probiere es jetzt einfach. Und zum Glück ist es aufgegangen.
Hilfe anzunehmen bedeutete nicht, seinen neuen Weg weniger selbstständig zu gehen. Im Gegenteil: Es war der Schritt, der es ihm ermöglichte, Verantwortung für seine gewünschte Zukunft zu übernehmen.
Ting - kurz erklärt
Ting ist eine Community-Plattform die sinnhafte Vorhaben mit Impact finanziert. Mit monatlichen Beiträgen bauen wir ein gemeinsames Vermögen auf, das Mitgliedern transparent und in Form eines zeitlich begrenzten Einkommens zur Verfügung steht. Ting wurde geschaffen, um Menschen zu befähigen, Vorhaben in die Tat umzusetzen, die positiv auf ihr Leben und die Gesellschaft wirken.
Vom Stundenlohn in die Festanstellung: Living the Dream
Das Community-Geld gab Rico die nötige Zeit, seine Ausbildungen durchzuziehen, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich im Sportbereich ein lokales Netzwerk aufzubauen. Während seines Übergangsjahres arbeitete er flexibel auf Stundenlohnbasis in einer Sporthalle. Dort konnte er seine Fähigkeiten zeigen, Verantwortung übernehmen und die Menschen vor Ort von sich überzeugen. Aus der zunächst unsicheren Tätigkeit entstand schliesslich ein Angebot für eine feste Anstellung als stellvertretender Betriebsleiter.
Heute arbeitet Rico zu 80 Prozent in der Sporthalle. Die restlichen 20 Prozent nutzt er im Winter für seine Arbeit als Langlauflehrer. Zusätzlich trainiert er einmal pro Woche die U10- und U12-Kinder des Skiclubs Davos. Damit hat Rico nicht nur einen alten Job gegen einen neuen ausgetauscht. Er hat sich schrittweise ein Berufsleben aufgebaut, in dem Sicherheit und Leidenschaft nebeneinander Platz haben.
Und das ziemlich wortwörtlich: Rico lebt heute in Davos Frauenkirch, nur wenige Schritte von der Loipe entfernt. Am Morgen kann er die Ski anschnallen und direkt zu seiner Arbeit aufbrechen.
Freude an Bewegung weitergeben: Mehrwert für die Gesellschaft
Für Rico schliesst sich damit ein Kreis. Was einst als persönliche Leidenschaft begann, gibt er heute an die nächste Generation weiter. Bei der Arbeit mit den Kindern geht es ihm nicht allein um sportliche Leistung. Er möchte ihnen spielerisch Freude an Bewegung und an der Natur vermitteln, sie mental begleiten und einen gesunden Umgang mit Training fördern.
Seine Neuorientierung wirkt dadurch über sein eigenes Leben hinaus. Aus einer langjährigen Leidenschaft ist eine Tätigkeit entstanden, die auch für andere einen Unterschied macht.
Wenn Rico heute auf sein Übergangsjahr zurückblickt, zeigt seine Geschichte vor allem eines: Man muss nicht von Anfang an den vollständigen Weg kennen. Man braucht eine Richtung, genügend Sicherheit für den nächsten Schritt, die Erlaubnis, den eigenen Wunsch ernst zu nehmen – und manchmal eine Gemeinschaft, die dabei hilft, eine realistische Brücke ins Neue zu bauen.
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