Geben ist leicht: ein 5-Euro-Schein auf dem Weg ins Mini-Ting.

Niemand nimmt alles: Was wir in Berlin über Geld und Vertrauen gelernt haben

30.09.2026 von Silvan Groher

Vier Tage, eine offene Schale voller Geld und 563 Menschen, die nicht nur reden, sondern machen. Unsere Rückschau aufs Mitmacht Demokratiefestival in Berlin und auf die Frage, was passiert, wenn man Menschen beim Geld einfach vertraut.

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Vom 23. bis 26. September trafen sich in Berlin 563 Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Mitmacht, dem Demokratiefestival von Faktor D. Das Motto: «Bildet Banden!». Workshops, Begegnungen, Diskussionen und mittendrin unser Mini-Ting.

Nach Zürich und dem Theater Basel war es das erste Mal, dass unser Geldexperiment im Ausland und über mehrere Tage am Stück lief. Und es hat uns wieder überrascht.

So funktioniert das Mini-Ting

Das Mini-Ting ist eine offene Schale voller Geld. Wer ab 5 Euro reinlegt, darf auch etwas rausnehmen. Ohne Jury, ohne Begründung. Einzige Bedingung: eine Karte mit Name, Betrag und wofür.

  1. Lege Geld in den Pot
  2. Erhalte einen Ting Sticker
  3. Notiere auf einer Karte Name, Betrag und wofür
  4. Greif zu und nimm dir, was du brauchst
So funktioniert das Mini-Ting
Vier Schritte, keine Jury: Spielregeln und die ersten Karten. Foto: ©Stefan Wieland

Am ersten Tag blieb das Geld liegen

Der Start war wie so oft: Die Schale füllte sich, aber niemand nahm etwas raus. Dabei hätten alle, die reingelegt hatten, ausdrücklich gedurft.

Warum eigentlich? Ist Geld «wertlos», wenn es einfach so zur Verfügung steht? Ist es kollektiv aufgeladen, weil es von vielen kommt? Oder hält uns unser eigenes Denken über Geld davon ab?

Was wir beobachten: Etwas reinlegen passiert schnell und kommt aus dem Bauch. Beim Rausnehmen schaltet sofort der Kopf ein und mit ihm all die Muster und Narrative, die wir über Geld gelernt haben.

Geben ist leicht. Nehmen war für alle schwerer. 

Erst am zweiten Tag wurde genommen

Erst am zweiten Festivaltag änderte sich etwas. Gut 300 Euro kamen über die vier Tage zusammen, in kleinen Beträgen von vielen. Sechs Menschen haben sich dann doch getraut, etwas zu nehmen. Und für was, geht unter die Haut:

  • «Seit Monaten kein Einkommen.» Anja, 100 Euro

  • «Tuki kann die Miete grad nicht zahlen» Tuki, 40 Euro

  • «Für die Operation einer befreundeten Person.» F. Serra, 52.50 Euro

  • «Einem lieben Menschen was gönnen.» Jon, 10 Euro

Hinter jeder Karte steckt eine Geschichte, die man an einem Demokratiefestival nicht unbedingt erwartet und erzählt bekommt. Und sie zeigt, wie nah Geldsorgen in engagierten Kreisen sind.

Niemand hat alles genommen

Mehrere Personen hätten mehr gebraucht, als in der Schale lag. Sie hätten alles nehmen dürfen. Sie konnte es aber nicht.

Das ist für uns das grösste Learning: Die Angst, dass sich Menschen hemmungslos bedienen, wenn man ihnen vertraut, ist unbegründet. Es passiert eher das Gegenteil. Menschen nehmen zu wenig, nicht zu viel.

Die letzten 51.40 Euro hat am Schluss jemand aus dem Team genommen, für die Studiengebühren einer befreundeten Person. Wäre das Geld liegen geblieben, hätten wir es Faktor D gespendet. So ist kein Cent liegen geblieben.

MENSCHEN IM GESPRÄCH VOR DEM MINI-TING IN BERLIN

Viele geben wenig, wenige bewegen viel

Genau das ist der Kern von Ting. Was in der Schale im Kleinen passiert, machen wir mit Ting im Grossen. Viele legen jeden Monat einen Betrag zusammen, damit einzelne ihrer Passion nachgehen und ein Vorhaben umsetzen können, das die Welt ein Stück besser macht.

Ting - kurz erklärt

Ting ist eine Community-Plattform die sinnhafte Vorhaben mit Impact finanziert. Mit monatlichen Beiträgen bauen wir ein gemeinsames Vermögen auf, das Mitgliedern transparent und in Form eines zeitlich begrenzten Einkommens zur Verfügung steht. Ting wurde geschaffen, um Menschen zu befähigen, Vorhaben in die Tat umzusetzen, die positiv auf ihr Leben und die Gesellschaft wirken.

👉 Mehr Infos

Willst du Teil der Geld-Umverteilungs-Bande werden? Ab 10 Franken im Monat bist du dabei.

2027: Heimspiel in Basel

Nächsten September kommt das Mitmacht nach Basel. Für uns ein Heimspiel. Wir sind sicher wieder dabei und haben da schon so eine Idee mit der Party.

Ein riesiges Danke an das ganze Team von Faktor D. Ihr habt mit einer unglaublich professionellen Organisation einen Ort geschaffen, an dem echte Aufbruchstimmung herrscht. Und das in Zeiten, in denen Demokratie Rückenwind gut gebrauchen kann.

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